s geht ein Aufschrei durch Deutschland. Böses Google sammelt Daten und zerstört die Privatspäre. Endgültig. Unwiederbringlich. Wir werden alle sterben! Ich muss gerade vor mich hingriemeln. Dieser Blogeintrag ist sicher bald via Suchmachine / Google zu finden. Ich frage mich, welcher Suchende dann falsche Schlüsse aus der Zusammenfassung zieht :mrgreen:

Wie auch immer, es ist wohl wieder Sommerloch und deshalb muss ein Deppenthema gefunden werden, mit dem der Sommer überbrückt werden kann. So jedenfalls kommt mir die aktuelle Diskussion um Google Street View vor. Da profilieren sich Politiker und Privatpersonen mutieren zu “Aktivisten”. Wow. Mittlerweile hört man auch die ersten Deppenmeinungen zum Thema. Konsenz: “Sowas ist doch sicher illegal!”

Googles Datenschutzbeauftragter Peter Fleischer gibt in einem Blog-Eintrag einen Überblick, was nun gesammelt wird:

  • Fotos für den Aufbau einer 360-Grad-Straßenniveau-Karte. Solche Fotos wurden und werden bereits aufgenommen z.B. von TeleAtlas und NavTeq für Bing maps. Zusätzlich werden diese Fotos zur Erweiterung und Verbesserung der existierenden Karten benutzt. Gesichter und Nummernschilder von Autos werden unkenntlich gemacht. Es werden nur Fotos aufgenommen; keine Videos. Die Bilder haben keinen Zeitstempel und sind nicht in Echtzeit verfügbar (Sprich: Die Bilder sind zum Zeitpunkt der Veröffentlichung mehrere Monate alt).
  • WiFi Netzwerk Informationen zur Unterstützung und Verbesserung von ortsgebundenen Diensten. Solche Informationen wurden bereits vom Fraunhofer Institut und Skyhook weltweit erfasst. Erfasst wird der Netzwerkname (die SSID) und die dazugehörige Mac-Adresse.
  • 3D-Gebäudeansichten: Dazu werden geometrische Daten mit Lasern erfasst (ähnlich den Lasern an Supermarktkassen). Diese 3D-Ansichten werden dann zur Erweiterung der Karten eingesetzt. NavTeq sammelt solche Informationen bereits im Auftrag von Bing. Ebenso werden solche Messungen von TeleAtlas durchgeführt.

Das ist alles. Und die Info ansich (eben das, was ich gerade hier gelistet habe) ist seit Monaten nachzulesen. Kommt also alles nicht so unvorbereitet, wie es z.Z. gerne dargestellt wird.

Und wo liegen jetzt die Probleme? Gute Frage.

Es wird ja gerne behauptet, daß das Bild eines Hauses die Privatspäre beeinträchtigt. Aha. Wenn dann im Zuge der Berichterstattung über die “Aktivisten” dann diese vor ihren Häusern fotografiert werden, und dieses Bild dann veröffentlicht wird, ist das ok :?:

Es wird gerne behauptet, daß man die Adresse eines Menschen dann via Street View “abfragen” kann. Schöne Formulierung. Ist so aber natürlich Quatsch. Man muss die Adresse eines Menschen schon vorher kennen. Dann kann man sich das ansehen. Einem Dieb wird das aber kaum nützen. Der muss nach wie vor vorbeikommen zum Recherchieren :roll:

Was die WiFi-Informationen angeht, scheinen auch viele Leute Paranoia zu haben. Klar, wenn ich eine Adresse kenne, diese dann in Street View betrachte, und dann darüber erfahre, daß dort ein WLAN-Netzwerk namens “Grzlmpf” existiert… wow. Das könnte ich ja mit Vorbeifahren nicht festellen… :-P Und das ein Benutzer nicht weiss, wie man die SSID-Übermittlung abschaltet ist sicher Googles Schuld. Damit ist dann zwangsweise alles offen zugänglich! Oh nein!!! *facepalm* :roll:

Oder auch gut: “Google lässt sich ja nicht in die Karten schauen. Wenn man nur mal einen Blick auf die verwendete Technik und die Fahrzeuge werfen könne…” Ummm, kann man. Hat Google kein Problem mit. Wenn man’s aber nicht tut, ist das nun nicht Googles Schuld :roll:

atenschutz und Privatsphäre. Zwei Begriffe die mal wieder ohne Sinn und Verstand überstrapaziert werden. Ich meine hey, unsere Politiker profilieren sich dafür, daß “böses Google” nicht zuviel Daten sammelt. Hallo? Es handelt sich um öffentlichen Raum. Oder jetzt nicht mehr?

Aber passt schon. Wir sind ja in guten Händen. An anderen Stellen wird ja auch “vorausschauend” mit unseren Daten umgegangen: Wenn detaillierte Flugpassagierdaten oder Informationen über den innereuropäischen Zahlungsverkehr an die US-Geheimdienste  weitergegeben werden. Wenn zentralisiert erfasste, lebenslang gültige Steuernummern eingeführt werden. Wenn mal wieder erwogen wird, den Bundestrojaner nun doch einzuführen. Wenn uns biometrische Pässe aufgezwungen werden, weil die Regierung eines anderen Landes das “gerne so hätte”. Wenn uns ernsthaft eine Kommunikation via “De-Mail” schmackhaft gemacht werden soll, die es aber notwendig macht, privaten Firmen wie United Internet oder der Telekom unsere Personalausweisdaten zu übergeben.

Ja nee, is’ klar :holy: Und nachts schwitzen die Steine! :!:

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